Tour Transalp 2022

Die Tour Transalp fand 2022 nach zwei Jahren Corona-Pause endlich wieder statt. Vom 19. bis 26. Juni führte die Strecke in sieben Etappen vom Reschensee zum Gardasee. Insgesamt waren 617 Kilometern und 15.800 Höhenmetern. zu fahren

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Mein Zimmerpartner Sebastian und ich kamen Samstag gegen Mittag am Startort Graun am Reschensee an. Wir waren früh dran. Nur eine kleine Schlange wartete bei der Akkreditierung. Das Teilnehmerfeld war wohl auch nicht so groß, wie in den Jahren vor Corona. Etwa 600 Fahren nahmen 2022 teil statt der erhofften 1.000.

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Einrollrunde um den Reschensee

Die Akkreditierung war recht schnell erledigt und so blieb uns noch Zeit für eine Einrollrunde. Bei bestem Wetter umrundeten wir den Reschensee, furhen weiter nach Nauders und bis zur Norbertshöhe. Eine sehr schöne Gegend mit wunderbaren Radwegen. Die Vorfreude auf die Tour Transalp stieg. Das obligatorische Foto mit Kirchturm im See ließen durfte auch nicht fehlen.

Offizieller Beginn der Tour Transalp

Nach dem gemeinsame Abendessen fand die offizielle Begrüßung zur Tour Transalp statt. Zu dem Zeitpunkt dachten wir noch, diese Veranstaltung würde jeden Abend stattfinden. War aber nicht so. Abendverpflegung gab es. Das angekündigte Streckenbriefing und die Präsentation der besten Fotos des Tages fiel aber ohne weitere Begründung an allen Abenden aus. Unverständlich und sehr schade.

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Mein Zimmerpartner Sebastian und ich am Start zur ersten Etappe
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1. Etappe: Graun am Reschensee – Zernez

Die erste Etappe führte über 77 Kilometer und 1.374 Höhenmeter von Graun am Reschensee nach Zernez in der Schweiz. Es war mehr ein Einfahren mit einem welligen und nicht allzu schweren Profil. Und ohne einen echten Paß. Wir fuhren zwar über die Norbertshöhe, allerdings ist der Anstieg von Nauders kaum feststellbar. Schnell hatten wir Zernez erreicht.

Die Zielversorgung war in Zernez wie bei jeder der folgenden Etappe hervorragend.

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2. Etappe: Zernez – Bormio

Die zweite Etappe von Zernez nach Bormio hatte 102 Kilometer mit 2.758 Höhenmetern. Es ging zum ersten Highlight der Tour: Dem Stilfser Joch. Zunächst mußte aber auf dem Weg dahin der Ofenpaß als erster richtiger Paß der Tour überquert werden. Es ging hinauf auf 2.149 Meter. Im Anstieg gab es leider ein paar ärgerliche Stopps an Baustellenampeln. Insgesamt waren wir noch frisch und so war die Paßhöhe bald erreicht. Die anschließende Abfahrt war schön und lang. Zügig überbrückten wir in einer kleinen Gruppe den verbleibenden Weg bis Prad.

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Das Stilfser Joch

Und dann begann die erste Herausforderung der Tour: Der Anstieg zum Stilfser Joch. Einmal bereits war ich den Anstieg gefahren.

Am Abend zuvor hatte ich noch selbstbewußt meine Gewißheit verkündet, daß ich im Ziel in Arco ohne Zweifel ankommen würde. Aber bereits auf etwa der Hälfte des Anstiegs zum Stelvio merkte ich, daß ich keinen guten Tag erwischt hatte.

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Es war heiß, die Höhe nahm zu und die Beine wurden schwer. Die Hälfte war geschafft. Ich dachte an die noch bevorstehenden Etappen und fand, ein kurzer Stopp sei eine gute Idee.

In einer Kehre bereits im oberen Teil des Anstiegs mit den 48 Kehren hielt ich an. Zahlreiche Teilnehmer fuhren vorbei. Weiter. Ich kam an einem Brunnen vorbei. Das wäre was. Aber zwei Fahrer standen schon an. Eine Erfrischung wäre klasse. Dauert zu lange. Erst nochmal weiter. Der nächste Brunnen war meiner.

Da kam er endlich. Ich hielt zum zweiten Mal an! Ich setzte mich direkt in den Brunnen und kühlte meine Beine. Wunderbar. Kurze erholen. Weiter.

Krämpfe!

Beim Aufsteigen schossen mir plötzlich Krämpfe in die Beine, wie noch nie zuvor. An fahren war nicht zu denken. Ich kam gerade so wieder vom Rad runter. Jetzt ging nichts mehr. Krämpfe in den Oberschenkeln. Meine Beine waren steif. Es tat höllisch weh. Zum Glück konnte ich mich am Rad festhalten.

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War es das?

War das schon das Ende meiner Tour? In der zweiten Etappe? Etwa fünf Kilometer fehlten noch bis zur Zeitnahme. Wie sollte ich die schaffen? In ein Auto und aus? Das wars? Soviel zu meiner Sicherheit, das Ziel zu erreichen. Hauptsache irgendwie weiter. Ich begann, das Rad zu schieben. Was solls. Aber nicht einmal das ging so ohne weiteres. Die Krämpfe kamen immer wieder. Und heftig waren sie. Deswegen mußte ich immer wieder anhalten. Es ging einfach nicht. Ein Riegel, ein paar Kracker aus einem Auto. Endlos lange dauerte es, bis die Krämpfe etwas nachließen. Ein erster Versuch weiterzufahren. Ging noch nicht. Weiter schieben.

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Endlich ging es wieder

Nach ungefähr 1,3 Kilometern zu Fuß und drei Kehren ging das Fahren zum Glück wieder. Den Stopp auf der Paßhöhe auf 2.758 Metern ließ ich aus. Kein Nerv für ein Foto. Das obligatorische Foto hatte ich schon mal gemacht. Ich fuhr weiter zur Zeitnahme am Abzweig zum Umbrail. Bergab. Das war was.

Am Ende hatte ich „nur“ etwa 25 Minuten verloren. Subjektiv erlebt man das allerdings völlig anders. Es fühlte sich viel länger an. Letzter war ich auch nicht. Anderen erging es wohl ähnlich.

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3. Etappe: Bormio – Livigno

Die nächste Etappe führte von Bormio nach Livigno. Es war die kürzeste Etappe der Tour mit nur 47 Kilometer aber mit immerhin 1.775 Höhenmetern. Das lag insbesondere an dem sehr langen Anstieg zum Passo Foscagno auf 2.291 Meter Höhe. Der Ansteig war 15 Kilometer lang mit fast 1.000 Höhenmetern. Nach der kurzen Abfahrt schloß sich noch die ebenfalls kurze Auffahrt zum zweiten Gipfel an, dem Passo d’Eira. Ein weiterer 2.000er mit einer Paßhöhe von 2.209 Metern.

Es war eine sehr schöne Abfahrt nach Livigno. Leider war ein Autofahrer vor mir, der mich nicht vorbeiließ. Riskiert habe ich nichts. Immerhin 11 Plätze hatte ich vom Einbruch des Vortages wieder gut gemacht.

Durch die kurze Etappe hatten wir in Livigno viel Zeit zur Verfügung. Das Wetter hatte bereits umgeschlagen. Es begann zu regnen. Bei meinem zollfreien Einkaufsbummel habe ich keine Schnäppchen gefunden.

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4. Etappe: Livigno – Aprica

Tag 4 war die von mir gefürchteten Etappe über den Mortirolo. Im Anstieg von Mazzo waren 12,2 Kilometer und 1.360 Höhenmeter zu fahren. Dies entspricht einer durchschnittlichen Steigung von 11,1 Prozent. Insgesamt waren auf der vierten Etappe 107 Kilometer und 2.440 Höhenmeter zu fahren.

Am Start war es recht kühl. 8 Grad. Wann würde der erwartete Regen einsetzen? Ich hatte mich für Jacke und lange Hosen entschieden. Fast alle anderen nicht.

Nach dem Start in Livigno fuhren wir auf dem gleichen Weg wieder zurück, den wir am Vortag gekommen waren: Über den Passo d’Eira und den Passo Foscagno. Auf der Paßhöhe setzte der Regen ein. Nasse Schuhe, nasser Hintern. Egal. Richtig kalt wurde es mir nicht obwohl es fast zwei Stunden bis zum Beginn des Anstiegs zum Mortirolo regnete.

Ich fuhr bewußt langsam und vorsichtig. Stück für Stück ging es höher. Wie so oft bekam ich die zweite Luft, als das Ende des Anstiegs abzusehen war. Gar nicht so schlecht. Insgesamt ging es einfacher und schneller, als erwartet.

Auf der Paßhöhe nahm ich mir die Zeit für ein Foto. Das war mir wichtig. Der Mortirolo ist schon eine Ikone des Radfahrens.

Kurzer Halt an der zweiten Verpflegung. Ananasstücke gab es. Die habe ich mir in die Trikottasche gestopft und in der Abfahrt zum Ziel nach Aprica gegessen. Sehr lecker.

Erst im Ziel habe ich festgestellt, daß die 4. Etappe nur eine Schwierigkeit 4 von 5 hatte. Die beiden folgenden Etappen waren mit 5 von 5 nochmal schwerer eingestuft.

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5. Etappe: Aprica – Castione della Presolana

Das gute Wetter war zurück. Sonne. Die 5. Etappe von Aprica nach Castione della Presolana hatte 96 Kilometer mit 2.717 Höhenmeter. Nach einer kurzen Abfahrt führte der erste Anstieg des Tages mit 600 Höhenmetern auf den Passo di San Cristina. Die Abfahrt zog sich und es dauerte etwas bis der Anstieg zum Passo Vivione erreicht war. Stolze 1.600 Höhenmeter auf fast 38 Kilometer.

Der Anstieg war unrythmisch, lag mir aber. In den flacheren Kurven konnte ich beschleunigen. Das machte eigentlich Spaß.

Die Abfahrt war auf einer schönen, kleinen Straße. Der Schreck saß tief, als wir in einer 90-Grad-Kurve an einem Unfall vorbeifuhren. Es sah schlimm aus. Radfahrer waren nicht zu sehen. Sie mußten über die Böschung gestürzt sein. Das war unnötig, wie immer. Diese kleine Straße hätte gesperrt sein müssen.

Im Ziel erfuhr ich, daß mein Zimmerpartner auf den Unfall auffuhr. Er hatte sich zum Glück nichts getan aber sein Rad war Schrott. Wenigstens konnte er die letzte Etappe mit einem Mietrad wieder mitfahren. So schnell kann es gehen.

Noch ein weitere Anstieg auf den Passo della Presolana stand an. Er hatte nur 500 Höhenmeter war aber viel schwerer als erwartet. Immer wieder waren Steigungen mit bis zu 14 Prozent zu fahren. Nach der schweren Etappe war der letzte Anstieg richtig hart. Es war ein gutes Gefühl, über die Zeitnahme auf der Paßhöhe zu fahren. So konnte man die kurze Abfahrt nach Castione genießen.

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6. Etappe: Castione della Presolana – Valle del Chiese

Die 6. Etappe war die Königsetappe der Tour. Sie führte über 119 Kilometer und 3.237 Höhenmeter von Castione della Presolana nach Roncone im Valle del Chiese. Wieder eine schwere Etappe. Aber auch die letzte schwere Etappe. Dazu kam, daß ich am Morgen nicht richtig Lust hatte. Immerhin hatte ich mich soweit vorgearbeitet, daß ich es endlich in den Startblock B geschafft hatte.

Direkt am Ortsausgang in Castione begann der kurze Anstieg zurück auf den Passo della Presolana. Die folgende Abfahrt war auch recht kurz, so daß die Gruppe am langen Anstieg des Tages noch weitgehend zusammen fuhr. Es waren 1.600 Höhenmeter am Stück im 22 Kilometer langen Anstieg auf den Goletto di Cadino zu fahren. Und es zog sich. Der Anstieg fiel mir deutlich schwerer, als der lange Anstieg am Vortag.

Auf dem Gipfel war ich ziemlich platt. Die Verpflegung war mir sehr willkommen. Ich habe mir Zeit gelassen und wieder reichlich Ananasstücke in die Trikottasche gestopft. Es war sowieso nicht mehr so entscheidend. Im Klassement ging sowohl nach vorne als auch nach hinten nur noch wenig. Die Abstände waren in beide Richtungen recht groß geworden. Und ein oder zwei Plätze vor oder zurück machte nicht wirklich einen Unterschied. Das angestrebte obere Drittel war nicht mehr zu schaffen.

Aber das schlimme Stück des Tages kam noch. 25 Kilometer im Tag mit Tendenz bergauf. Im Valle del Chiese bergan zum Zielort Roncone. Ich hatte Glück und konnte mich an zwei Dänen dranhängen. An ihrer Fahrweise konnte ich sehen, daß es Ihnen ähnlich ging, wie mir. Das half. Also hatte ich gute Chancen, dranbleiben zu können. Ende der Zeitnahme war etwa zwei Kilometer vor dem Ziel. Die zwei Kilometer nach Ende der Zeitnahme waren die schwersten Kilometer des Tages.

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7. Etappe: Valle del Chiese – Arco

Auf der letzten Etappe von Valle del Chiese nach Arco am Gardasee waren nur noch 70 Kilometer mit 1.499 Höhenmeter zu fahren. Aber ganz so leicht war es dann doch nicht. Den steilen Anstieg zum Passo Daone hatte ich unterschätzt. Es wurde nochmal ziemlich steil.

Letzter längerer Anstieg war dann der Passo Duron bevor nach dem kurzen Anstieg zum Passo del Ballino die Zeit genommen wurde.

Und dann war es geschafft. Eigentlich hatte ich keine Zweifel gehabt, dass ich es schaffen würde. Und dann wurde es schon auf der zweiten Etappe ganz schön knapp. Einige Ausfälle gab es auch. Selbstverständlich ist das Ankommen nicht. So war die letzte Abfahrt nach Arco dann auch besonders. Dazu kamen die wunderbaren Blicke auf den Gardasee. Es war besonders und sehr bewegend. Ein tolles Gefühl über die Ziellinie zu fahren. Vielleicht wäre es intensiver gewesen, wenn die Zeitnahme auch im Ziel in Arco gewesen wäre.

Ich fand einen Platz fürs Rad, stellte mich in die Schlange für mein Finisher-Trikot und meine Finisher-Medaille und holte meinen Tagesbeutel. Die Tour Transalp war vorüber.

Resumee

Die Organisation der Tour Transalp war sehr gut. Die teilgesperrten Straßen sind ein guter Kompromiß für eine Radveranstaltung. Kritisch waren die Abfahrten auf kleinen Straßen, wo es auch den schweren Unfall gab. Hier hätte man vielleicht konsequenter Sperren müssen.

Unverständlich ist, warum die Abendveranstaltungen alle ausfielen. Vor allem auf die Abschlußparty hatten sich sicher fast alle Teilnehmer und Betreuer gefreut. Beides war in der Leistungsbeschreibung angekündigt. Fiel aber ohne einen Kommentar zu den Gründen aus. So fehlte das wichtige soziale Elemente der Tour. Das war nicht in Ordnung.

Darüber hinaus war die Informationsübermittlung mangelhaft. Es gab zu wenig Informationen. Nachfragen war immer schwierig. Gefühlt gab jeder, den man fragte, eine andere Antwort. Hier ist reichlich Luft nach oben.

Ich will nicht ausschließen, die Tour Transalp nochmal zu fahren. In den nächsten zwei bis drei Jahren jedoch sicher nicht.

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Geschafft. Der Gardasee war erreicht und die Zeitnahme war überquert. Die Abfahrt zum Ziel konnten wir genießen.
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