Wie man das Rennrad ganz einfach flugtauglich macht

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Für Flugreisen mit dem Rennrad benutze ich den Thule RoundTrip Pro Flugkoffer. Bis jetzt ist es immer gut gegangen. Mein Rad hat noch keine Beschädigung davongetragen. Nur der Koffer.

Auf der Rückreise von Málaga nach Dresden habe ich die einzelnen Schritte des Rücktransportes fotografiert. Mit den Fotos stelle ich den Transport hier im Blog vor.

Fahrradkoffer

Meinen Thule Roundtrip Pro Fahrradkoffer habe ich im Januar 2016 bei Stadler im Internet gekauft. Aktuell ist das Nachfolgemodell Thule Roundtrip Pro XT auf dem Markt.

Der Thule Roundtrip Pro ist über einer stabilen Wanne aus hartem Kunststoff aufgebaut. Das Oberteil besteht aus weichem Nylon. Deswegen werden die Seiten mit faltbaren und herausnehmbaren Seitenteilen verstärkt. Durch dieses Konzept läßt sich der Koffer platzsparend aufbewahren. Die Laufräder sind in zwei gepolsterten Laufradtaschen zusätzlich geschützt.

Besonderheit des Thule Roundtrip Pro ist ein integrierter Montageständer. Dadurch kann das Rad komfortabel für den Transport vorbereitet werden. Und genauso komfortabel nach dem Transport wieder montiert werden. Die Beine des Montageständers dienen als zusätzliche Verstärkung der Seitenwände des Koffers.

Der RoundTrip Pro hat auf der Unterseite zwei integrierte Rollen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist ein Handgriff angebracht. Mit diesem wird der Radkoffer manövriert. Dies ist zwar kraftaufwendiger als mit vier Rädern. Dafür kommt man unterwegs überall durch.

Werkzeuge und Hilfsmittel

  • Inbusschlüssel Größen 4, 5 und 8
  • Drehmomentschlüssel zum Anziehen der Schrauben an Sattel und Lenker
  • Montagepaste zum Befestigen des Sattels (nur bei Sattelstütze aus Carbon erforderlich)
  • Fett für die Schraubverbindungen
  • Kantenschutzprofile
  • Luftpolsterfolie
  • Klebeband
  • Klettkabelbinder

Vorbereitung

Der im Transportkoffer integrierte Montageständer
  • Zuerst bereite ich den Koffer vor. Hierzu schiebt man die Seitenteile in den Koffer.
  • Anschließend baue ich den im Koffer integrierten Montageständer auf.
Rennrad mit demontiertem Vorderrad auf dem Montageständer
  • Am Rad demontiere ich zuerst das Vorderrad. Mit einem Schnellspanner wird das Rad mit der Gabel am Montageständer befestigt.
  • Über dem Tretlager wird das Rad mit einem Band befestigt. Es kann losgehen.

Demontage

Lösen der Schaltung am Schaltauge
  • Nächster Schritt ist die Demontage der Schaltung am Schaltauge. Hierzu benötigt man einen Inbusschlüssel Größe 6 mm.
Lenker, Sattel, Hinterrad, Schaltung und Pedale sind demontiert
  • Dann baue ich den Sattel einschließlich Sattelstütze ab. An meinem Rad ist hierzu ein Inbusschlüssel Größe 4 mm erforderlich.
  • Als nächstes demontiere ich den Lenker. Auch wieder mit einem Inbusschlüssel Größe 4 mm.
  • Schließlich muß ich noch das Hinterrad abbauen. Um meine Shimano 105er Pedale abzuschrauben, brauche ich einen Inbusschlüssel Größe 8 mm. Bei neueren Shimano-Pedalen kann dies auch 6 mm sein.

Polsterung

Kantenschutzprofile am Rad
  • Danach bringe ich Polsterungen am Rahmen an. Hierzu verwende ich Kantenschutzprofile, wie man sie für Bilderrahmen verwendet. Diese sind robust und gut handhabbar. Es gibt sie in verschiedenen Größen in Geschäften für Künstlerbedarf. 
Die in Luftpolsterfolie gepackte Schaltung
  • Die Schaltung packe ich in Luftpolsterfolie ein. Ich befestige sie zwischen den Sitzstreben. Dazu verwende ich Klett-Kabelbinder und gegebenenfalls Klebeband.

Auf dem Bild oben ist gut die „Schwachstelle Schaltauge“ zu sehen. Ein verbogenes Schaltauge wirkt sich auf die Funktionsfähigkeit der Schaltung aus. Bei den ersten Reisen hatte ich immer die Schaltung einschließlich Schaltauge abmontiert. Dies ist auch keine gute Lösung. Die Befestigungsschrauben am Schaltauge sind sehr klein. Deshalb ist der Inbus anfällig. Die Schrauben beschädigen schnell. Ein Schaltaugen-Werkzeug habe ich auf eine Reise noch nicht mitgenommen. Es ist mir zu groß und zu schwer für den Transport.

Der am Rad für den Transport befestigte Lenker
  • Den Lenker befestige ich mit Klett-Kabelbindern zwischen Oberrohr und Gabel. Dabei achte ich darauf, daß er möglichst wenig aus dem Rahmen herausragt.
  • Ein Kunststoffpolster schiebe ich unter die Lenkerbefestigung. So verhindere ich, daß der Rahmen beschädigt wird.
  • Der Bremshebel sollte nicht ungeschützt hervorstehen. Deswegen ziehe ich ihn an und befestige ihn mit einem Klett-Kabelbinder.
  • Im nächsten Schritt packe ich das gesamte Rad mit Luftpolsterfolie ein. Zum befestigen der Folie verwende ich Klebeband.
Der Sattel ist zwischen den Sitzstreben befestigt
  • Als letztes muß noch der Sattel untergebracht werden. Ich befestige ihn mit Klett-Kabelbindern. Eine gute Stelle ist zwischen den Sitzstreben. An diese Stelle paßt er ganz gut rein. Man muß darauf achten, daß sich Sattel und Schaltung nicht in die Quere kommen.

Verpacken

Das Rad ist vorbereitet für den Transport. Es wird mit der Montageschiene vom Montageständer abgenommen. 

Die Laufräder sind in den Laufradtaschen verstaut. Hierzu werden die Schnellspanner entfernt. Für diese gibt es in den Laufradtaschen separate Taschen.

Das Rad ist in der Transporttasche arretiert. Zusätzliche Luftpolsterfolie schützt das Rad.
  • Das gepolsterte Rad wird in die Wanne der Transporttasche eingeklickt. Es steht fest in der Tasche. Vorne und oben schütze ich das Rennrad noch zusätzlich mit Luftpolsterfolie.
Die Beine des Montageständers werden zur zusätzlichen Verstärkung der Seitenwände genutzt.
  • Die Beine des Montageständers werden in die Seitenwände geschoben. Sie stabilisieren die Seiten zusätzlich. Die Halterung des Montageständers wird auf der Schiene in der Tasche arretiert.
Die Laufräder finden an den Seiten Platz.
  • Die Laufräder haben an den Seiten der Tasche genug Platz. Links am Ende des Koffers kuckt mein Radrucksack raus. Der findet unterhalb der Hinterradaufnahme genug Platz. Im Rucksack verstaue ich das benötigte Werkzeug: Pedale, Lappen, Radlampen und was ich sonst noch unterwegs brauche.

Gewicht

Meinen Thule RoundTip Pro habe ich leer mit 11 Kilogramm gewogen. Es hängt natürlich davon ab, was ich noch alles in den Radkoffer mit reinpacke. Aber mit Rad komme ich mehr oder weniger deutlich über 20 Kilogramm. Das übliche Gewichtslimit der Fluggesellschaften von 30 Kilogramm ist gut zu schaffen. Es sei denn, man reist nur mit Handgepäck. Hier zeigt die Erfahrung, daß es auch mal eng werden kann.

Beschädigungen

Beschädigungen am Rad hatte ich bislang noch nicht. Neben einigen Schrammen am Koffer war aber die Aufhängung der Montageschiene gebrochen. Dies könnte bei einem heftigen Schlag gegen die Tasche passiert sein. Das Rad jedenfalls hat den Schlag unbeschadet überstanden. Und deswegen hat der Koffer seine Aufgabe erfüllt.

Zusammenbau

An Ziel angekommen erfolgt die Montage des Rades. Montiert werden Lenker, Sattel, Schaltung und Pedale. Und natürlich die Laufräder.

Für den Zusammenbau und das Anziehen der Schraubverbindungen braucht man einen Drehmomentschlüssel. Das maximal zulässigen Drehmoment muß unbedingt eingehalten werden. Ansonsten wird das Rad beschädigt.

Bei einer Carbon-Sattelstütze muß unbedingt Carbon-Montagepaste verwendet werden. Diese wird dünn auf die Sattelstütze aufgetragen. Sonst hält die Sattelstütze nicht.

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