Trainingslager Mallorca 2022

Das Trainingslager Mallorca 2022 ging endlich los. Saisonbeginn. Der Winter hatte ein Ende. Auch Corona stoppte dieses Trainingslager nicht. Im Gegensatz zu 2020. Saisonbeginn auf Mallorca ist der Klassiker fürs Rennrad. Ich hatte dieses Mal das Trainingslager von SpeedVille gebucht. Aber ich war skeptisch. Nach der praktisch perfekten Reise in der Sierra Nevada hätte es sowieso jede folgende Reise schwer gehabt.

Mallorca 2022 - Mistwetter
Mistwetter

Die Anreise

Bereits Freitagabend hatte ich einen Direktflug ab Dresden nach Palma mit Eurowings. Super. Der Flieger war voll. Das hatte ich nicht erwartet. In Palma angekommen ging ich direkt zum Mietwagenschalter. Kann die Mietwagenübergabe nicht einfach auch mal erfreulich sein? Wahrscheinlich nicht. Gegen 21:30 war ich in Alcudia im Hotel „Alcudia Garden“. Ich bekam ein Zimmer zur Straße. Das lag auch noch ganz am Ende eines endlosen Ganges. Das ging ja gut los

Mallorca 2022 - Rad aufbauen
Rad aufbauen im Zimmer am Ende des Ganges

Tag 1: Einrollrunde

Am nächsten Morgen war der Frust noch größer. Es war frisch und es regnete. Aber nicht nur das: Der Wetterbericht zeigte für die ganze Woche Regen. Sonne war nicht wirklich dabei. Für die ganze Woche. Die Einrollrunde wurde auf 15 Uhr verschoben. Der Regen sollte gegen 14:30 aufhören. Tat er auch. Dann ging es los. Meine Vorfreude hielt sich in Grenzen.

Mallorca 2022 - Vorfreude geht anders
Vorfreude sieht anders aus

Und dann wurde es wie eigentlich fast immer: Sitze ich erstmal auf dem Rad, ist das Leben schlagartig wieder schön. Rad fahren tut mir immer gut. Die Tour war leicht, eine Einrollrunde eben. Die erste Runde fährt sich sowieso fast immer wie von alleine. Die Wattzahlen sind hoch, irgendwie muss es die Euphorie sein. Die Gruppe scheint ganz in Ordnung zu sein. Ich glaube ich bin der zweitälteste. Schon. Scheiße.

Tag 2: Betlem und Manacor

An Tag 2 fuhren wir eine sehr schöne Etappe bei überraschend passablem Wetter. Die Temperaturen waren angenehm, es hat nicht geregnet. Langes Trikot, lange Hose. War nur mal kurz zu warm als die Sonne kurz mal rauskam. Die Tour hatte nur den einen Anstieg nach Betlem. Eine wunderschöne, kleine Straße, schöne kleine Serpentinen, kaum Verkehr.

Zurück nach Alcudia fuhren wir durchs Schilf. Tempo wurde angesagt. Wir fuhren in irrer Geschwindigkeit in einer kleineren Gruppe vorneweg. Mit Rückenwind und fast 50 km/h, kurzzeitig sogar immer mal wieder darüber. Erst kurz vor Alcudia mußte ich abreißen lassen. Es war irre! Insgesamt waren meine Beine und die Wattzahlen auf der ersten richtigen Tour überraschend gut. So kann es weitergehen.

Mallorca 2022 - Sineu
Sineu

Kaffeepause des Tages war in Petra, auf dem schönen Platz wo man immer mal wieder vorbeikommt. Die Gruppe ist wirklich toll. Alle verstehen sich schon am zweiten Tag recht gut. Top.

Mallorca 2022 - Keine Sonne
Immer noch keine Sonne

Tag 3: Cap Formentor

Die erste Frage des dritten Tages war: Wie wird das Wetter? Was zieht man an? Ich wurde mutiger: Statt einfach nur lang wie am Vortag, wählte ich Armlinge und Knielinge.

Die Strecke zum Kap war wieder wunderbar. Trotz des trüben Wetters. Allerdings wurde es auf den letzten, etwa zwei Kilometern richtig schwierig: Der Wind pfiff extrem stark von der Seite herein. Wir mußten sehr vorsichtig fahren.

Bereits nach der ersten Abfahrt und später ein zweites Mal waren Sperren für Autos angebracht. Autos konnten nicht bis zum Kap fahren. Bis hin zum Leuchtturm kam man auch mit dem Rad nicht. Es fanden Bauarbeiten statt.

Kaffeestopp war in einem Restaurant in Pollenca. Wir saßen nur mäßig geschützt unter einem zugigen Vordach. War ich froh als es endlich zur kleinen Halbinsel bei Alcudia weiterging. Die Straße hatte kurze, knackige Anstiege. Aber die Sonne war mittlerweile herausgekommen. Endlich mal.

Glück gehabt!

Dann wollte Frank in einer kurzen Abfahrt in der Kurve überholen. Stattdessen fuhr er aber einfach geradeaus. Er überschlug sich und stürzte den Abhang hinunter. Das sah dramatisch aus. Praktisch überall war Steilküste. Nur an Franks Stelle nicht. Ich dachte nicht, daß er wieder aufsteht. Aber er hatte unfaßbares Glück und sich praktisch gar nichts getan.

Nur noch zu sechst fuhren wir die geplante Runde entspannt zu Ende. Bis die entspannte Runde immer schneller wurde. Am Ende musste ich wieder abreißen lassen. Jörg ließ mit mir abreißen und wir fuhren zusammen zurück zum Hotel.

Tag 4: Über Valldemossa und Deia zum Puig Mayor

Der Tag der Königsetappe fing zunächst gut an. Meine Beine waren immer noch überraschend gut. Ich war fit, und hatte gut geschlafen. Wir fuhren flach und wie immer ziemlich flott über die schmalen Straßen nach Bunyola und Valldemossa. Nachdem wir uns an einem Kreisverkehr in zwei Gruppen aufgeteilt haben, ging es weiter nach Deia. Dort war die Kaffeepause des Tages. Im kleinen Supermarkt gegenüber der Bar gab es die angepriesenen Schoko-Croissants. Hab ich natürlich auch eins gegessen. Und ein Fanta getrunken. Das alles zusammen mit dem Kakao in der Bar muß der Fehler gewesen sein.

Puig Mayor

Kurz nach der Pause begann die 14 Kilometer lange Steigung zum Puig Major. Ich hatte die üblichen Probleme zu Beginn, meinen Rhythmus zu finden. Aber es wurde nicht besser. Es war eine Quälerei bis hinauf. Wegen der Temperaturen war der Stopp oben nur kurz. Alle überholten mich in der Abfahrt. Ich schaffte es bis zur Tankstelle am Kloster Lluc. Dort habe ich ein Fanta und einen Kaffee getrunken. Das half. Ich erholte mich und konnte wieder mit der Gruppe mithalten. Ohne Probleme. Bis zum Hotel. So war ich stolz, als wir am Ende der Tour am Hotelpool zusammenstanden. Das Wetter hat gehalten, ich habe durchgehalten. Eine tolle Tour.

Mallorca 2022 - Zurück vom Puig Mayor
Zurück vom Puig Major

Tag 5: Randa statt geplanter Ruhetag

Der Ruhetag wurde um einen Tag verschoben. Für Donnerstag war den ganzen Tag Regen angesagt. So fuhren wir die recht einfache Runde zum Puig de Randa und wieder zurück.

Nach dem schwachen Auftritt am Vortag war mein Tag ziemlich gut. Meine Beine waren nicht wirklich müde. Ich konnte wieder locker mitfahren. In Randa bin ich den Anstieg für meine Verhältnisse hochgeflogen. Es ist aber auch ein sehr schöner Anstieg.

Kaffeestopp war auf dem Marktplatz in Sineu. Man konnte doch wieder draußen sitzen. Aber gerade so.

Mallorca 2022 - Kaffeestopp in Sineu
Kaffeestopp in Sineu geht zur Not auch ohne Sonne

Zurück nach Alcudia fuhren wir gegen den Wind. Die jungen Jungs sind vorne mächtig Tempo gefahren. Ganz stark. Auf der Küstenstraße vor Playa de Muro wurde es dann wieder schneller und schneller. Und wieder war es richtig toll. Auch wenn ich wieder kurz vor dem Ende abreißen lassen müßte.

Mallorca 2022 - Gruppenbild auf dem Puig de Randa
Gruppenbild auf dem Puig de Randa

Tag 6: RuhetagsRegenRunde

Am Vormittag machten fast alle einen Spaziergang in dee schöne Altstadt von Alcudia. 13:30 sollte es eine Regenpause geben. Die wollte ich für eine entspannte Tour zum Beine ausschütteln nutzen.

Mallorca 2022 - Gruppenspaziergang im Regen
Gruppenspaziergang im Regen

Ich hatte damit gerechnet, dass ich mindestens die halbe Tour im Regen fahren würde. So zog ich wieder Jacke und Winterhose an und auch die häßlichen Überschuhe. Beim Losfahren wurde mein Hintern auch gleich nass. Das war’s aber schon. Mit Rückenwind fuhr ich über Playa de Muro hinaus quer über die Felder. Weiter an Windmühlen vorbei in Richtung Gebirge. Viele kleine Straßen, eine ruhige Tour, etwa 2 Stunden lang. Und bis zum Schluss kein Regen.

Tag 7: Coll de Femenia und Santa Magdalena

Schon die letzte Tour in der Gruppe. Die Woche war wieder viel zu schnell vorbei. Mein Rückflug war erst am Sonntag. Aber fast alle anderen flogen bereits Samstag nach Deutschland zurück. Deswegen mußten sie ihre Leihräder am Abend noch abgeben. Und so wurde wegen des durchwachsenen Wetters aus der Fahrt nach Sa Calobra leider wieder einmal nichts. Zumindest in die Richtung fuhren wir aber.

Mallorca 2022 - Am Meer entlang nach Pollenca
Am Meer entlang nach Pollenca

Anstieg des Tages war zum Coll de Femenia. Auch diesen Anstieg flog ich wieder hinauf. Für meine Verhältnisse. Ich glaube nicht, daß ich schon jemals solche Wattzahlen gefahren hatte. Klasse. Wir trafen uns wieder an der Tankstelle am Kloster Lluc. Ich hatte bis zuletzt gehofft, daß wir vielleicht doch noch nach Sa Calobra weiterfahren würden. Aber meine Hoffnung erfüllte sich nicht.

Mallorca 2022 - Zum Coll de Femenia
Straße zum Coll de Femenia

Wir fuhren bergab nach Caimari und weiter zum Puig de Santa Magdalena, wo wir schon bei der ersten Tour waren. So flog ich eben diesen kurzen Anstieg hinauf. Fühlte sich auch gut an. War aber nicht das gleiche. Zurück fuhren wir wieder gegen den Wind nach Alcudia. Aber wir kreiselten. Gibt es das Wort? Als belgischen Kreisel würde ich es nicht ganz bezeichnen. Aber wir waren ziemlich dicht dran.

Mallorca 2022 - Nochmal Santa Magdalena
Nochmal Santa Magdalena

Das SpeedVille Camp war vorüber

Aber leider war dann auch diese Tour vorbei. Die letzte Tour in Mallorca mit der Gruppe in 2022. Das Trainingslager Mallorca 2022 von SpeedVille war zu Ende. Es folgte noch der Abschlußabend mit der Krönung der Bergkönige. Ich hatte meine Titelchancen ja am Puig Major verspielt. Dann gewinne ich eben das nächste Mal.

Die ersten reisten bereits vor dem Frühstück ab. Das offizielle Camp war vorüber. Ich würde 2023 wiederkommen, wenn es wieder ein SpeedVille Camp geben sollte. Wenn ich die Altersgrenze nochmal schaffe. Die Gruppe in diesem Jahr war schon recht jung und recht stark. Wir werden sehen.

Tag 8: Coll de sa Batalla und Cap Formentor

Ich hatte ja noch den Samstag. Und die letzte Tour fuhr ich gemeinsam mit Olaf wieder zur Tankstelle beim Kloster Lluc. Wir fuhren zuerst wellig zum Beginn des Anstiegs zum Coll de sa Batalla. Auch den Anstieg bin ich wieder kräftig und schnell hochgefahren. Die Wattwerte waren wieder knapp unter 300 in großen Teilen des Anstiegs. So früh in der Saison.Wahnsinn. Das muß ein gutes Jahr werden.

Anschließend fuhren wir noch einmal die lange und wellige Abfahrt über den Coll de Femenia zurück zur Küste. Zügig erreichten wir Pollenca und fuhren gemeinsam in Richtung Formentor hinauf zum ersten Parkplatz. Von dort fuhren wir auf einer kleinen Straße noch ein Stück weiter bergauf. Die Straße hatte ich schon vor einer Weile mal entdeckt. Sie entpuppt sich als echter Geheimtipp. Eine grandiose Aussicht in alle Richtungen. Wenn die Sonne noch scheint ist es ein echtes Highlight.

Doch noch weiter zum Kap Formentor

Ich wollte die 100 Kilometer noch voll machen und Olaf mußte sein Rad abgeben. Also fuhr er alleine zurück und ich bin auf der anderen Seiten in Richtung Kap bergab gefahren. Eigentlich nur zur Playa Formentor. Aber es war ja eh klar, dass ich weiter bis zum Kap fahren würde. Kurz vor dem Kap wurde es wieder sehr windig, genau wie bei der ersten Fahrt. Über Pollenca fuhr ich am Meer entlang zurück nach Alcudia. Die letzten etwa 15 km meistens mit Rückenwind.

Mallorca 2022 - Die letzte Fahrt zum Hotel
Die letzten Kilometer zum Hotel

Auf der letzten Tour war ich immerhin nochmal von 10:00 Uhr bis nach 16:00 Uhr unterwegs und bin fast 120 km gefahren. Ein schöner Abschluss einer tollen Radwoche und eines tollen Trainingslagers Mallorca 2022. Wenn auch schon wieder ohne Sa Calobra.

Die Saison kann kommen!

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